• Ingmar Ostermaier

Strohfütterung

Aktualisiert: 2. Mai 2019


Aufgrund des heißen Sommers und der damit verbundenen geringen Heuernte stehen viele Pferdebesitzer und Stallbetreiber nun vor dem Problem, die Tiere “über den Winter zu bringen”. Während viele Landwirte ihren Tierbestand bereits bewusst verkleinern, kann man natürlich ein Pferd nicht “einfach” verkaufen bzw zum Schlachter geben, weil man das Tier unter Umständen im Winter nicht ausreichend mit Heu versorgen kann.Was also tun? Ich möchte Euch in diesem Beitrag eine mögliche Alternative aufzeigen: die Strohfütterung

Viele wissen es natürlich auch bereits, aber Stroh ist mehr als nur Einstreu für die Boxen. In Jahren wie diesem, wo die Heuernte mehr als mager ausfiel, gibt es daher die Möglichkeit, das vorhandene Heu mit Stroh zu mischen oder sogar im Notfall auf alleinige Strohfütterung umzustellen, wobei ich persönlich davon abraten (!), und das Mischen von Heu und Stroh bevorzugen würde.Stroh ist reich an Rohfaser (vor allem Lignin, dieses wirkt beim Pferd ähnlich wie ein Ballaststoff) und wirkt regulierend auf die Darmmotorik, verändert jedoch -wenn es langfristig und übermäßig gefüttert wird ( = mehr als 1 kg pro 100kg/KM pro Tag) - die Darmflora und kann zB bei älteren Pferden, die aufgrund des Zahnzustands ihr Futter nicht mehr optimal zerkauen können, unter Umständen zu Verstopfungskoliken führen.


Qualität und Energiegehalt

Ausschlaggebend ist natürlich auch beim Stroh die jeweilige Qualität. Stroh sollte -egal ob als Einstreu oder Futtermittel- grundsätzlich sauber sein und keinerlei graue Beläge oder Verfärbungen aufweisen. Stroh, das schimmeligen oder muffigen Geruch aufweist, sollte entsorgt und weder als Futtermittel, noch als Einstreu Verwendung finden, da hier ähnliche Erkrankungen drohen wie bei schimmeligem Heu. Wird gehäckseltes Stroh verfüttert, sollte die Länge der Häcksel mindestens 3-5 cm betragen, um ebenfalls Verstofungen und Koliken zu vermeiden. In der folgenden Tabelle findet Ihr die wichtigsten Kriterien, um die Qualität Eures Strohs einzuschätzen


Am nährstoffreichsten sind blattreiche Stroharten (zB Hafer), am besten gefressen werden jedoch stängelige, harte und gut getrocknete Arten wie Weizen oder Gerstenstroh, wobei jedoch letzteres aufgrund der Grannen kritisch gesehen wird (diese können zu Läsionen an der Maulschleimhaut führen). Zur Verbesserung der Verdaulichkeit kann Stroh (ausgenommen Haferstroh) durch Behandlung mit alkalisch wirkenden Substanzen “aufgeschlossen” werden. Derart behandelt, lässt es sich in ähnlichen Mengen wie Heu einsetzen, jedoch sollten in ausreichender Menge Eiweiß, Mineralstoffe und Vitamine ergänzt werden. Die folgende Tabelle zeigt den Energiegehalt verschiedener Strohsorten im Vergleich zu Heu bzw Luzerneheu:


Fazit

Stroh ist - unter Beachtung von Qualität und Lagerung - eine gute Möglichkeit zur Ergänzung und Untermischung in die Heuration und sogar als alleiniges Futtermittel kann es unter Umständen genutzt werden (unter Beachtung bestimmter Faktoren!). Wer also mit Heumangel zu kämpfen hat, sollte sich durchaus auch mal auf dem “Stroh-Markt” umsehen!


Grundsätzlich empfiehlt sich neben der Fütterung natürlich auch, das Thema Darmgesundheit des Pferdes im Auge zu behalten, denn nur ein wirklich fitter Darm ist in der Lage, alle erforderlichen Nährstoffe aus der aufgenommenen Nahrung zu gewinnen. Gerade jetzt zu Beginn der nasskalten Monate, in denen der Stoffwechsel unserer Tiere in höherem Maße gefordert ist als im Sommer, macht es Sinn, die Darmflora der Pferde zu checken.


Auf www.zentrum-darm.de findet Ihr hierzu alle Infos und natürlich stehe ich Euch auch jederzeit gerne beratend zur Verfügung!


Haltet Eure Pferde gesund :-)


(Quellen: Supplemente zur Tierernährung; Pferdefütterung; Fotos: Timo Klostermeier  / pixelio.de )




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